Fulfillment beginnt dort, wo der Standardprozess aufhört
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Warum uns die PPWR bei vielem bestätigt, was wir schon lange machen
Es gibt Aufträge, bei denen wir ziemlich schnell wissen, was zu tun ist. Und dann gibt es die anderen.
Die landen bei uns gerne einmal auf dem Tisch und sorgen dafür, dass wir uns im Team zusammensetzen und überlegen: Wie machen wir das jetzt am besten?
Ich mag genau diese Momente. Wir gehen verschiedene Möglichkeiten durch, verwerfen auch mal eine Idee und schauen nicht nur darauf, was technisch machbar ist, sondern was für den Kunden und seinen gesamten Ablauf sinnvoll ist. Erst wenn wir davon überzeugt sind, legen wir los.
Ein gutes Beispiel dafür sind Solarpaneele, die wir für einen langjährigen Kunden lagern und versenden.
Die Paneele werden in großen Transportkisten angeliefert, jeweils acht Stück zusammen. Für die Anlieferung funktioniert das sehr gut. Im Fulfillment entstand allerdings irgendwann eine andere Anforderung: Einzelne Paneele sollten verschickt werden.
Die vorhandene Kiste für acht Paneele zu nehmen und den freien Raum irgendwie aufzufüllen, kam für uns nicht infrage. Also haben wir eine eigene Lösung entwickelt.
Wir nehmen Maß, holen das entsprechende zertifizierte Holz bei unserem Händler und bauen die Transportkiste bei uns selbst – passend für ein einzelnes Paneel und den Schutz, den es auf dem Transport benötigt.
Dabei versehen wir die Kisten mit Scharnieren. So können sie geöffnet und wieder verschlossen und bei entsprechendem Zustand für einen weiteren passenden Transport eingesetzt werden.
Das machen wir nicht erst seit der PPWR. So arbeiten wir mit diesem Kunden schon seit vielen Jahren.
Und genau deshalb finde ich die aktuelle Diskussion über die neue europäische Verpackungsverordnung interessant.
Der Aufwand hat sich schon vorher gelohnt
Eine Holzkiste auf Maß zu fertigen ist zunächst aufwendiger, als irgendeine vorhandene Standardverpackung zu verwenden. Aber diese Rechnung endet für uns nicht in der Werkstatt.
Eine unnötig große Verpackung benötigt mehr Material. Freier Raum muss möglicherweise zusätzlich gesichert werden. Das Transportvolumen steigt und damit können am Ende auch die Versandkosten für unseren Kunden steigen.
Die Ware soll deshalb genau den Schutz bekommen, den sie braucht. Nicht weniger, aber eben auch nicht unnötig mehr.
Luft zu verschicken war für uns noch nie eine besonders gute Geschäftsidee.
Ähnlich ist es mit den Scharnieren. Wenn wir ohnehin Zeit und Material in eine passende Transportkiste investieren, ist es sinnvoll, bereits beim Bau darüber nachzudenken, was nach dem ersten Transport mit ihr passiert. Ist die Kiste weiterhin in einem geeigneten Zustand und passt sie zum nächsten Einsatz, kann sie erneut verwendet werden.
Das ist keine neue Idee, die durch eine Verordnung entstanden ist. Der zusätzliche Aufwand hat sich für uns schon vorher gelohnt – weil wir nicht nur den einzelnen Versand betrachten, sondern den Prozess dahinter.
Beim Messeversand zeigt sich das vielleicht noch deutlicher.
Wenn ein Kunde seine Ausstattung regelmäßig auf Veranstaltungen benötigt, wissen wir meistens schon beim ersten Versand, dass diese Reise nicht die letzte sein wird. Die Ausstattung geht zur Messe, kommt anschließend wieder zu uns zurück, wird eingelagert und einige Wochen oder Monate später erneut gebraucht.
Wo es für die Ausstattung und den Transport passt, setzen wir deshalb sehr gerne Messeboxen ein.
Die Box fährt mit zur Veranstaltung, kommt zurück und steht für den nächsten Einsatz wieder zur Verfügung. Wir müssen nicht jedes Mal von vorne anfangen und eine neue Transportverpackung aufbauen.
Interessant ist dann auch nicht nur, was die Box beim ersten Einsatz kostet. Entscheidend ist, wie sich die Lösung nach mehreren Einsätzen rechnet und wie gut sie in den gesamten Ablauf des Kunden passt.
Für mich ist das ein wichtiger Teil von Fulfillment: nicht nur die Sendung zu sehen, die heute vor uns steht, sondern zu überlegen, was morgen mit der Ware passiert.
Die PPWR gibt dieser Arbeitsweise einen neuen Rahmen
Seit dem 12. August 2026 gilt die PPWR, die neue europäische Verpackungsverordnung. Sie beschäftigt derzeit viele Unternehmen – und natürlich auch uns.
Dabei geht es nicht nur um Versandkartons oder Folien. Auch Transportverpackungen aus Holz fallen grundsätzlich in die Betrachtung der PPWR.
Unsere selbst gefertigten Holzkisten müssen wir deshalb genauso im Blick behalten. Welche konkreten Anforderungen gelten, hängt von der jeweiligen Verpackung, ihrer Verwendung und der Rolle der beteiligten Unternehmen ab. Auch eine Kiste mit Scharnieren ist nicht allein dadurch automatisch eine wiederverwendbare Verpackung im rechtlichen Sinne.
Trotzdem ist der Grundgedanke für uns interessant.
Die PPWR rückt unter anderem Verpackungsminimierung und die Wiederverwendung bestimmter Transportverpackungen stärker in den Mittelpunkt. Ab 2030 kommen in verschiedenen Bereichen weitere Anforderungen hinzu. Was davon im konkreten Warenstrom greift, muss jeweils geprüft werden.
Für unsere tägliche Arbeit bedeutet das nicht, dass wir unsere bisherige Denkweise auf den Kopf stellen müssen.
Wir haben auch vorher geschaut, welche Verpackungsgröße sinnvoll ist. Wir haben Kisten so gebaut, dass sie bei entsprechendem Zustand erneut eingesetzt werden können. Und wir haben bei wiederkehrenden Messeversänden mit Messeboxen gearbeitet, wenn das für den Ablauf die vernünftige Lösung war.
Neu ist vor allem, dass die Informationen hinter diesen Entscheidungen an Bedeutung gewinnen.
Aus Verpackung werden auch Daten
Bei einer selbst gebauten Holzkiste reicht es künftig nicht, nur zu wissen, dass sie funktioniert.
Welches Material haben wir verwendet? Welche Menge? Für welchen Kunden wurde die Verpackung eingesetzt und wohin ging die Sendung?
Solche Informationen müssen wir strukturierter zusammenführen.
Das betrifft Holz ebenso wie Kartonagen und andere Verpackungsmaterialien, die in unseren Prozessen eingesetzt werden.
Und hier schließt sich für mich der Kreis zu unserem Beitrag „Ein Weihnachtsgeschenk, mehrere Länder – und plötzlich wird Verpackung zur Datenfrage“, in dem wir die PPWR aus Sicht von Verpackung und Versand ausführlicher betrachtet haben.
Dort haben wir auch beschrieben, wie wir mit den Verpackungsdaten unserer Kunden umgehen wollen.
Unser Ziel ist es, unseren Kunden zum Jahresende proaktiv einen individuellen Verpackungsreport zur Verfügung zu stellen. Wir möchten nicht warten, bis jemand im Dezember oder später versucht, rückwirkend herauszufinden, welche Verpackungen im Laufe des Jahres eingesetzt wurden.
Die Informationen entstehen schließlich bei uns – beim Verpacken und Versenden.
Für unser Fulfillment heißt das konsequenterweise, dass dieser Report nicht beim Karton aufhören kann. Wenn wir für einen Kunden eine Holzkiste fertigen und als Transportverpackung einsetzen, gehört auch dieses Material in unsere Betrachtung.
Das ist zusätzliche Arbeit. Aber es ist auch eine Aufgabe, über die wir uns im Team gerne Gedanken machen.
Denn wenn wir Informationen ohnehin strukturierter erfassen müssen, stellt sich für uns sofort die nächste Frage: Wie organisieren wir das so, dass nicht nur wir damit arbeiten können, sondern unser Kunde ebenfalls etwas davon hat?
Fulfillment endet nicht an der Lagertür
Vielleicht ist das für mich die interessantere Entwicklung hinter der PPWR.
Fulfillment wurde lange vor allem über die physische Ware beschrieben: lagern, kommissionieren, verpacken und versenden.
Das bleibt natürlich unser tägliches Geschäft.
Aber wenn Unternehmen solche Prozesse auslagern, entstehen auch Informationen außerhalb ihres eigenen Hauses. Ein Kunde steht nicht daneben, wenn wir eine Holzkiste bauen. Er sieht nicht bei jeder Sendung, welche Kartonage verwendet wurde, und muss auch nicht wissen, welches Material wir zur Sicherung einer bestimmten Ware benötigen.
Genau dafür übernimmt er schließlich nicht selbst den gesamten Prozess.
Wenn diese Informationen für ihn regulatorisch oder unternehmerisch relevant werden, sollten wir aber in der Lage sein, sie wieder zur Verfügung zu stellen.
Das verändert aus meiner Sicht auch den Anspruch an einen Fulfillment-Dienstleister.
Es reicht nicht mehr in jedem Fall, sagen zu können: Die Ware ist angekommen.
Man sollte zunehmend auch nachvollziehen können, was auf dem Weg dorthin passiert ist.
Das passt ziemlich gut zu der Art, wie wir ohnehin gerne arbeiten.
Unser Kunde hat schließlich keinen Lagerauftrag, einen Verpackungsauftrag, einen Holzkistenauftrag und anschließend noch einen Versandauftrag.
Er hat ein Solarpanel, das zu seinem Empfänger muss.
Oder eine Messeausstattung, die zum richtigen Zeitpunkt am Veranstaltungsort stehen und anschließend wieder zurückkommen soll.
Alles dazwischen ist unser Prozess.
Manchmal reicht dafür ein ganz normaler Karton. Manchmal ist eine Messebox die bessere Lösung. Und manchmal stehen wir bei uns und bauen aus zertifiziertem Holz eine Transportkiste für ein einzelnes Solarpanel.
Welche Lösung am Ende herauskommt, ist für mich gar nicht das Entscheidende.
Wichtiger ist, dass wir uns vorher Gedanken darüber gemacht haben.
Unternehmererkenntnis: Erst nachdenken, dann loslegen
Natürlich bringt die PPWR zusätzliche Anforderungen mit sich. Wir müssen Informationen strukturierter erfassen, Verpackungen genauer betrachten und bei einzelnen Punkten prüfen, was für den konkreten Prozess tatsächlich gilt.
Aber sie zeigt auch etwas anderes.
Manches, was heute dokumentiert oder messbar gemacht werden muss, konnte gestern schon eine vernünftige unternehmerische Entscheidung sein.
Unsere Holzkisten haben wir schon vorher passend gebaut. Die Scharniere haben wir schon vorher eingesetzt. Messeboxen haben wir schon vorher gerne verwendet, wenn sie zum Ablauf passen. Und unnötig große Verpackungen waren auch vorher weder für uns noch für unsere Kunden besonders interessant.
Der Aufwand hat sich also schon vor der PPWR gelohnt.
Jetzt kommt eine neue Ebene hinzu: Wir müssen aus einem Teil unserer Erfahrung strukturierte Informationen machen.
Und genau darüber sitzen wir wieder gemeinsam im Team und überlegen, wie wir es vernünftig lösen.
Nicht nur für uns.
Sondern so, dass unser Kunde am Ende die Informationen bekommt, die in seinem Auftrag bei uns entstanden sind.
Wie sieht es bei Ihnen aus? Gibt es in Ihrem Fulfillment, bei Ihren Messeversänden oder bei Ihren Verpackungen Abläufe, bei denen Sie sich mit Blick auf die PPWR gerade fragen, wie es künftig weitergeht?
Dann melden Sie sich gerne bei uns.
Wir ersetzen keine rechtliche Beratung. Aber wir können uns Ihren konkreten Ablauf gemeinsam anschauen und überlegen, welche Lösung dazu passt und welche Informationen wir aus unserem Prozess für Sie bereitstellen können.
Solche Aufgaben besprechen wir ohnehin am liebsten gemeinsam im Team.
Und meistens entsteht genau dabei die beste Lösung.


